Luftkrankheit

Als Luftkrankheit bezeichnet man ein in einem Luftfahrzeug akut auftretendes Krankheitsbild, das mit ganz spezifischen Symptomen einhergeht. Anders lautende Bezeichnungen sind: Reisekrankheit, Weltraumkrankheit, Simulatorkrankheit oder allgemein Bewegungskrankheit (Kinetose). Auch bei der Seekrankheit handelt es sich um den gleichen Symptomenkomplex. Das Krankheitsbild ist immer gekoppelt an Bewegungsreize.


Die typischen Symptome sind (je nach Schwere):

  • Körperliches Unbehagen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Blässe
  • Kalter Schweiß
  • Speichelfluß
  • Gesteigerte Geruchsempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen
  • Druck im Bauch
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Hervorgerufen wird das Krankheitsbild durch Bewegungsreize, die auf die Gleichgewichtsorgane, hauptsächlich das Vestibularorgan im Innenohr, einwirken. Kombinierte Bewegungsabläufe, die beim Fliegen häufig auftreten wie z.b. Turbulenzen oder horizontal geradlinige Beschleunigung in Kombination mit Drehbewegungen stellen besonders starke Auslöser dar.

Menschen reagieren unterschiedlich empfindlich auf solche Reize. Letztlich kann es sich um eine nach Intensität und Dauer übersteigerte Einwirkungen üblicherweise tolerierter Alltagsreize auf den Gleichgewichtssinn handeln oder aber um ungewohnte Bewegungsreize, wie sie bei fehlender Flugerfahrung auftreten können.

Nach der Störsignal-Theorie werden alle Bewegungsreize, die über das Auge oder das Innenohr einwirken, im Gehirn verglichen mit Bewegungsinformationen, die aus der Vergangenheit gespeichert sind. Wenn der erlebte Bewegungsablauf anders ist als erwartet, also nicht mit den gespeicherten Informationen übereinstimmt, wird ein Störsignal erzeugt, das die Symptome auslöst. Solche Störsignale können ausgelöst werden über den Vestibularapparat im Innenohr (z.b. auf dem Karussel), aber auch alleine durch visuelle Reize.

Vielen Menschen sind Großwandkinos ein Begriff, wo aus einem fahrenden Auto oder aus einem Flugzeug aufgenommene Filme auf großer Leinwand abgespielt werden und den Eindruck erzeugen, als sei man im Geschehen drin. Dabei können - alleine durch visuelle Reize ausgelöst - die gleichen Symtome entstehen.


Die Anfälligkeit für die Luftkrankheit ist im Alter von 10-13 jahren am größten und nimmt dann mit zunehmendem Lebensalter ab. Frauen sind, insbesondere während der Regelblutung und in der Schwangerschaft anfälliger. Mit zunehmendem Training kann die Luftkrankheit ganz verschwinden.


Eine der effektivsten Methoden zur Bewältigung der Luftkrankheit ist die - evtl. wiederholte - Provokation mit extremen Bewegungsreizen, z. b. im Kunstflug. Medikamente sind für Flugreisende sehr hilfreich; mit der Tätigkeit als Flugzeugführer ist die Einnahme solcher Medikamente nicht vereinbar.